Römisches Museum Haus Bürgel
Das Museum im ehemaligen Römerkastell Haus Bürgel wurde 2003 eröffnet und zeigt in einer Dauerausstellung zahlreiche Ausgrabungsfunde aus römischer Zeit. Sie geben nicht nur Aufschluss über die Geschichte dieses Ortes – die hier gemachten Funde lassen auch die Besatzungspolitik, den Alltag und das Militärwesen in der römischen Provinz wieder lebendig werden.
Kurzführer (169 kb)
Short guide in english (90 kb)
Öffnungszeiten des Museums: Sonntag 14.30 bis 17 Uhr
Eintritt: Erwachsene zwei Euro, Schüler und Studenten ein Euro, Kinder bis zu zehn Jahren in Begleitung Erwachsener frei
Raum 1 – Von der Römerzeit bis heute
Die frühesten Spuren einer Besiedlung datieren ins 1. Jh. Im 4. Jh. errichtete das römische Reich ein steinernes Militärkastell zum Schutz der Rheingrenze gegen die Germanen. Der niedergermanische Limes hatte eine Gesamtlänge von 380 Kilometern und erstreckte sich von Remagen (Rigomagus) bis Katwijk (Lugdunum). Im Mittelalter wurde das Kastell zu einer Burganlage umgebaut. In der Neuzeit erlebte es einen erneuten Wandel zu einem friedlichen Gutshof. Um das Jahr 1702 gelangte Haus Bürgel in den Besitz der Grafen von Nesselrode. Sie bewirtschafteten den Hof fast dreihundert Jahre lang.
Wegen der großen historischen Bedeutung von Haus Bürgel erwarb 1989 die Nordrhein-Westfalen-Stiftung das Anwesen und Teile der umliegenden Auenlandschaft. Die Stiftung sorgte für die Sanierung und Restaurierung der Gebäude, ermöglichte neue Nutzungen im Übereinklang mit dem Denkmal- und Naturschutz und machte die Anlage der Öffentlichkeit zugänglich.
Raum 2 – Gräber und Begräbnissitten
Die meisten Fundstücke, die im Museum zu sehen sind, stammen von einem römischen Friedhof, der sich östlich von von Haus Bürgel befand. Die häufigste Bestattungsform bei den Römern war bis zum 3. Jh. n. Chr. die Brandbestattung. Der Tote wurde auf einem Scheiterhaufen verbrannt, die Asche dann in eine Grabgrube verbracht, die häufig mit Grabbeigaben versehen wurde.
Unter den Beigaben waren Krüge, die zum Bestattungszeitpunkt wahrscheinlich mit Wein oder Öl gefüllt waren, samt dazugehörigen Trinkbechern. Anhand dieser Keramiken und anderer Beigaben ließen sich die Gräber datieren. Lange Zeit wurde angenommen, dass römische Präsenz in Bürgel erst im späten 3. oder frühen 4. Jh. einsetzte. Die Freilegung der rund neunzig Brandgräber erbrachte aber den Nachweis, dass die römische Besiedlung schon im 1. Jh. n. Chr. begann.
Raum 3 – Bautechnik und Wehrarchitektur
Im Vergleich zu anderen zeitgleich errichteten Militärlagern ist Haus Bürgel mit 64 x 64 m Grundfläche eher klein. Es war im Grundriss quadratisch angelegt, die Mauern waren bis zu 2,30 m dick und mit zwölf Wachtürmen bewehrt. Zwei Tore an der Ost- und Westseite des Kastells bildeten eine Durchgangsachse.
Bis zu 150 Soldaten lebten hier mit ihren Familien. Hierbei handelte es sich in der Regel nicht um „echte“ Römer, sondern um befreundete Germanen, die als Söldner im Dienst des Römischen Reiches standen. Dies wird durch die Grabungsfunde, wie beispielsweise typisch germanischen Schmuck oder germanische Speisezutaten nahegelegt.
Die ortsansässigen Germanenstämme kannten ursprünglich nur die Holzbauweise, der beschwerliche aber extrem robuste Steinbau war ein „Import“ der Römer. Die steinernen Wirtschaftsräume des Kastells waren als Randbebauung an die Außenmauern angelehnt. Es gab beispielsweise Getreide- und Nahrungsmittelspeicher, Verwaltungsräume und auch – selbst bei so einem kleinen Kastell – ein Bad mit Fußbodenheizung (Hypokauste), Warmwasserbecken (Caldarium) und Kaltwasserbecken (Frigidarium). Hygiene war bei den Römern sehr wichtig.
Der Gundriss des Römerkastells ist anhand der heutigen Bebauung noch nachvollziehbar. Haus Bürgel folgt in seinen Außenmaßen der damaligen Bebauung weitestgehend. Teilweise ist die antike Bausubstanz an den Außenmauern noch gut zu sehen. In die Ausstellung integriert ist das römische Fundament des Turms auf der Nordost-Ecke.
Raum 4 (Obergeschoss) – Römisches Militär / Münzfunde
Die Bewohner des Römerkastells waren hauptsächlich germanischer Herkunft. In den 300 Jahren friedlicher Regierung der Provinzen durch die Römer, der „Pax romana“, bildet sich eine Mischkultur, die römische und germanische Traditionen miteinander vereint. Dies ist auch am Beispiel des Militärwesens zu beobachten.
Für die Germanen gab es viele Anreize, als Söldner für die Römer zu arbeiten. Neben dem regelmäßigen Gehalt und den Lebensmittelzuteilungen hatte das Dienen im Militär auch politische und soziale Folgen. Denn nach 25 Dienstjahren konnten die Germanen römisches Bürgerrecht erwerben. Erst dann erhielten sie beispielsweise das Wahlrecht und konnten ihre Ehe nach römischem Recht anerkennen lassen.
Die Soldaten mussten sich selbst ausrüsten, staatliche Organisation gab es diesbezüglich nicht. Zur vorgeschriebenen Mindestausstattung bei der Bewaffnung zählen Schild, Helm und Oberkörperpanzer. Nur ein sehr geringer Anteil der ursprünglichen Ausrüstungsgegenstände hat sich erhalten, da vieles in der Antike wiederverwendet wurde (zum Beispiel Metall, Kettenhemd) oder schlechte Erhaltungschancen hatte (Holz, Leder, Textilien).
Schon seit dem 1. Jahrhundert haben die Römer aufgrund des hiesigen Klimas die zuvor verpönte germanische Tradition übernommen, Hosen zu tragen. Im 4. Jahrhundert ist der römische Soldat mit einem gegürteten Obergewand und einem Kettenhemd bekleidet, welches den Plattenpanzer ersetzt. Selten werden auch Schuppenpanzer getragen.
Als Kopfschutz dient ein Eisenhelm, der je nach Stand des Trägers kostbar verziert sein kann. Wichtigste Waffe ist die „Spatha“, ein Langschwert aus Eisen. Hinzu kommen noch Lanze sowie Pfeil und Bogen als Schußwaffe. Eine typisch germanische Zutat zur Bewaffnung stellt die Hakenlanze dar, die an der Spitze mit gefährlichen Widerhaken bestückt war.
Auch bei dem Schutzschild wird der germanische Einfluss sichtbar – der Rechteckschild der Römer wird ab dem 4. Jahrhundert durch den Rundschild der Germanen abgelöst.
Anfang des 5. Jahrhunderts wurden die Frankeneinfälle immer bedrohlicher. Ein Bewohner von Haus Bürgel machte den Versuch, sein Hab und Gut in Sicherheit zu bringen. Er versteckte insgesamt 139 Bronzemünzen unter den Fußbodendielen im ehemaligen Kastellbad.
Dort blieb der Schatz rund 1500 Jahre verborgen, bis die Archäologen ihn im Jahr 1996 entdeckten. Die jüngste der Münzen dieses Schatzes datiert ins Jahr 408.
Raum 5 (Obergeschoss) – Der Alltag im Kastell
Die Funde aus Haus Bürgel belegen, wie weitreichend in römischer Zeit der Im- und Export war. Einige der hier gefundenen Keramiken lassen sich anhand bestimmter Gestaltungsmerkmale weit entfernten Herstellungsorten wie Spanien, Italien und sogar Palästina zuordnen.
Neben solch weitgereisten Produkten gibt es aber auch zahlreiche Funde, die unmittelbar ortsbezogen sind. Bei den Grabungen wurden beispielsweise Tierknochen oder Getreidereste genauer bestimmt. Damit kann man sowohl die damalige Tierwelt näher bestimmen als auch Rückschlüsse auf die Speisegewohnheiten der „germanischen Römer“ hier in Haus Bürgel ziehen. Aus der germanischen Küche stammen beispielsweise Hirsereste. Römer italischer Herkunft schätzten dieses Getreide nicht.
Die Söldner lebten gemeinsam mit ihren Familien in dem Kastell. Daher fanden die Ausgräber auch Frauenschmuck, dessen Gestaltungsweise ebenfalls häufig germanische Stilmerkmale aufweist. Besonders oft finden sich Haarnadeln aus Metall oder Bein. Obwohl die Handelswege sehr ausgefeilt waren und zahlreiche Güter im- und exportiert wurden, hat man im Kastell einige Güter selbst hergestellt. So zeugt eine Gürtelschnallenpatrize davon, dass hier eine Eigenproduktion von metallenen Gürtelschnallen existierte.
Raum 6 (Kellergeschoss) – Arbeitsmethoden der Archäologen
Im Kellergeschoss befindet sich eine Foto-Dokumentation über die Arbeit der Archäologen. Der Betrachter erhält einen Einblick in Technik und Systematik einer Grabung. Der Raum dient zudem als Durchgang zum Außenpfad.
Raum 7 und 8 (Südwest-Ecke) – Bautechnik und Baumaterial / Schifffahrt / Alltagsleben der Soldaten
Der archäologische Außenpfad mündet in der Südwest-Ecke in einen zweiteiligen Raum, der im November 2009 eröffnet wurde. Beherrscht wird der Südwest-Raum von großen Partien römischen Mauerwerks aus dem vierten Jahrhundert.
Die sorgfältig restaurierten Relikte geben einen deutlichen Eindruck von der Massivität der Befestigungsanlagen. Nachgebildet wurde ein Teil der Verblendung aus Tuffstein, die heute nicht mehr vorhanden ist. Zudem können sich die Besucher über teils neue Erkenntnisse zur Entstehungsgeschichte, Bautechnik und Versorgung des Kastells informieren.
Ausgestellt werden auch die Abgüsse zweier Weihesteine. Der eine wurde von einem Offizier des Kastells Dormagen gestiftet und in Bürgel als Baumaterial wiederverwendet. Den anderen Weihestein widmete ein Bärenfänger der Jagdgöttin Diana. Zur Römerzeit lebten auch rund um Haus Bürgel noch Bären.